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Der Raum zwischen Spass und Wirklichkeit
 
 
FORUM –
Aurel konnte mit seinem Enturf zur Umgestaltung des Marktplatz in Anröchte/Westf.
in einem Wettbewerb überzeugen
 
 
 
 
 
 
       
 
© Aurelart 2007
Panoramaansicht
des fertigen
Platzes
hier
–> Großauflösung
erste Konzeption
Die Skulpturen
in Modellansicht
Modell
des Platzes
Arbeitsschritte
Arbeitsschritte
Arbeitsschritte
Arbeitsschritte
die nördliche
Skulptur
die südliche
Skulptur
Detail
Detail
die nördliche
Skulptur in
Untersicht
Der Platz von
Südost
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FORUM |
ein neuer Kunst-Markt-Platz

Wie man einen schlichten Parkplatz künstlerisch zu einem Forum umgestaltet, hat der Künstler AUREL in der westfälischen Stadt Anröchte bewiesen. Protagonisten bei seinem humorvollen und doch tiefgründigem Arrangement sind zwei von ihm gefertigten Steinskulpturen.

Besser als er es selbst schon getan hat, lassen sich die Arbeiten des Frankfurter Künstlers AUREL kaum beschreiben. Und dieses persönliche künstlerische Credo kommt auch bei seinem neuen Werk wieder zum Ausdruck:
"Wie anders als mit Kunst könnte man den Raum zwischen bunter Virtualität und tristem Betongrau füllen? Mit Kunst als Gratwanderung zwischen Plagiat und Original, zwischen profanem Spielkram und archaischem Fundstück, technischen Behelf und ingenieurmäßigem Konstrukt, zwischen Ästhetik und Banalität.
Einerlei dabei ist, ob nun dicknasige Bronzefiguren (allem Anschein nach in sich selbst versunken) uns wohl bekannte, ja intime Befindlichkeiten feinfühlig und mit Augenzwinkern vorführen; oder aber mechanische Apparaturen, die uns auf dem Niveau von "ans Bein pinkeln" mit den alltäglichen kleinen Fiesigkeiten, den Nadelstichen und Ohrfeigen, die wir uns immer wieder gerne zufügen, gnadenlos auf den Leib rücken.
Allen gemein ist eben die subtile humoristische Komponente. Spielerisch und spiegelnd und stets mit der nötigen Prise Humor, nehmen sich die Arbeiten selbst genauso liebevoll auf die Schippe, wie sie es mit uns vorhaben."

Für die Stadt Anröchte in Westfalen hat der Bildhauer zwei Skulpturen in wochenlanger Arbeit im nahe gelegenen Steinbruch gefertigt. Diese fünf Tonnen schweren Figuren, die nun seit Dezember auf dem städtischen Marktplatz stehen, wirken nur auf den ersten Blick wie wuchtige und unbewegliche Kolosse. Beim genaueren Betrachten meint man plötzlich zu erkennen, wie sich ihre Köpfe in die Höhe recken, seitlich links und rechts neigen und sich zu den weit aufgerissenen Mündern immer deutlicher markante Gesichtszüge formen, bis hin zu komikhaft stilisierten Grimassen.

Diese Figuren scheinen sich über den Marktplatz hinweg zuzurufen, keck miteinander zu spielen. So stehen sie, obgleich mehrere Meter voneinander entfernt, in unmittelbarer Kommunikation zueinander. Der Raum zwischen ihnen, ein zum Verweilen umgestaltetes Areal, sowie ein altes Kriegsdenkmal, werden elegant mit einbezogen, ohne dass das eine oder andere inhaltlich dominiert wird. Denn seine "beiden Jungs", wie AUREL die aus Stein gemeißelten Protagonisten liebevoll nennt, sind formal auf das Wesentliche reduziert. Deutlich ausgearbeitet ist lediglich der leicht geschwungene Mund als aktives Organ der menschlichen Kommunikation. Dieses stille und doch eindeutige Spiel - umeinander herum und aufeinander zu, über die Köpfe der Passanten und Sitzenden hinweg - gewinnt an Eigendynamik und bleibt doch die eigentliche Essenz des gesamten Arrangements.

Genau dieses Arrangement zur Neugestaltung des städtischen Marktplatzes überzeugte auch die Anröchter Stadtväter. Die Stadt hatte im Jahr 2002 sechs Künstler damit beauftragt, Ideen zu entwickeln, um dem bis dahin als Parkplatz fungierenden Ort ein neues Gesicht zu verleihen. AURELS Skulpturen und seine Idee, die Fläche dazwischen auf mehreren Ebenen Tribünen ähnlich als Sitzgelegenheiten anzuordnen, überzeugte nicht nur künstlerisch, sondern entsprach auch am meisten der Vorstellung des Gemeinderats, den Ort frei zugänglich und multifunktional zu halten. Mit der Umsetzung von AURELS Konzept erhält der Marktplatz nicht nur seine ureigene Bedeutung als Forum für zwischenmenschliche Begegnung wieder. Indem der Bildhauer die Skulpturen aus dem grün-türkisfarbenen Anröchter Dolomit gefertigt hat, kommt das kostbare Material auch wieder dort zu Ehren, wo es ursprünglich herstammt und früher beim Hausbau verwendet wurde.

Am 30. April 2004 hat die Stadt Anröchte den Platz nun offiziell eingeweiht.
. Barbara Kolb .

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